Gratwanderung

Aus dem goldenen Herbstwald führt mein Weg durch den kalten Novemberregen an das eisige Elbufer jener Stadt, die im Glücksatlas der Bundesländer dieses Jahr den dritten Platz für sich beanspruchen konnte. Inzwischen habe ich aufgegeben meinen Live-Standort zu teilen und hoffe nicht der Einzige zu sein, der heute im dichten Blognebel, mit seiner Kamera an der Leine, spazieren geht.

Sony A7 R3 – Sony 50mm 1,4 | @maren_reith

Hier draußen suche ich immer noch nach diesen seltenen NBD-Momenten in der Fotografie – was bei der schier unglaublichen Zahl an kreativen, hochwertigen Bildern im Netz aber zumeist ein aussichtsloses Unterfangen darstellen dürfte. Und während andere mit einem ganzen Team und großem Budget ihre Hochglanz-Kampagnen oder Kunstprojekte fotografieren, laufe ich mit meiner Kamera und einer abgerockten Ikea-Tüte (gefüllt mit irgendwelchen sonderbaren Requisiten) über den nassen Sand vor den Toren der Hansestadt.
Ja, mein Leben bleibt weiterhin eine Gratwanderung zwischen diesem verrückten und zeitintensiven Hobby und dem ganzen Rest. Trotzdem erfreue ich mich an jedem Bild, das am Ende auf meiner Speicherkarte oder in einer Filmdose landet. Umso schöner ist es, wenn man diesen Weg gemeinsam mit anderen Menschen bestreiten kann, denen es ebenfalls um mehr geht als um Klicks, Reichweite und Geld.

Sony A7 R3 – Sigma 138mm Art 1,8 | @isabellabubolaphoto

Von Letzterem hätte wohl gerne die VG Bild-Kunst mehr auf ihrem Konto und so verschickte sie kurzerhand Rechnungen an Amateurfotografen, die im Rahmen eines Fotowettbewerbes der Stadt Hamburg auf Instagram Bilder der BluePort-Installation veröffentlichten. Es scheint, dass auch im Jahr 2019 das Internet noch für viele Neuland ist. Am Ende waren in den verantwortlichen PR-Abteilungen jede Menge Überstunden vonnöten, um den medialen Shitstorm einzudämmen und den wütenden Stativ-Mob zu beruhigen.

Sony A7 R3 – Sony 55mm 1,8 | @mademoments_ und @atichyphobe

Bevor ich mich jedoch bei den Fotodaddies einreihe und blaue Lichter auf dem Display festhalte, plane ich lieber weitere Ausflüge in die analoge Welt.
Vielleicht erweitere ich deshalb meine Kamerasammlung demnächst um eine Pentax 67 – natürlich mit dem SMC 105 mm, um ausreichend Hipster-Punkte zu sammeln. Grundvoraussetzung für diese Investition wäre jedoch, dass mein in Flaschen verpacktes Badewasser ähnlich reißenden Absatz findet wie bei dem rosa Porno-Delfin. Alternativ könnte ich es den ganzen vollbusigen Instamodels gleich tun und jedem meiner Geldgeber/innen bei Patreon Zugang zu einer privaten Premium-Snapchatgruppe gewähren, sozusagen als „exclusive perk“ und hoffen, dass es am Ende auch noch für eine Leica M6 und einen Belichtungsmesser reicht.

Sony A7 R3 – Zeiss Batis 85mm 1,8 | @maren_reith

Aufgrund meiner geringen Körbchengröße (was kommt vor A?) sollte ich mich aber lieber nach einem passenderen Job umschauen, der auch ohne tiefen Ausschnitt etwas Geld abwirft. Zum meinem Glück sind gerade zwei interessante und gleichzeitig lukrative Stellen frei geworden. Da wäre zum einen die Stelle als Mercedes Team Fotograf, die bis vor kurzem Paul Ripke ausüben durfte, aber in Zukunft nicht mehr ausüben will.

Sony A7 R3 – Sony 55mm 1,8 | @maren_reith

Sollte wider Erwarten meine Bewerbung abgewiesen werden (wahrscheinlich fehlt mir hierfür am Ende der rote Punkt auf meiner Mappe), stünde alternativ die ehemalige Stelle von Duygu Ö. zur Verfügung. In ihrem Wohnzimmer könnte ich ganz entspannt Hyaluronsäure in die Lippen zahlungskräfitger Influencerinnen spritzen – natürlich unter Einhaltung aller Hygienestandards. Schließlich will ich ihr nicht die nächsten fünf Jahre im Gefängnis Gesellschaft leisten.

Sony A7 R3 – Sony 55mm 1,8 | @caroline_hartig

Egal wofür man sich am Ende entscheidet, wichtig ist und bleibt für mich nur, dass es irgendwie vorangeht – egal wie, egal wohin und egal womit.
Mittlerweile glaube ich jedoch, dass es mehr Verbotsschilder für E-Scooter als E-Roller in Deutschland gibt (Selbiges gilt für Drohnen, deren Besitzter man in Kürze mit der passenden Smartphone-App vom Boden ausfindig machen kann). Und während die einen Bäume pflanzen und Plastiktüten aus dem Meer fischen, werfen andere die bunten Roller von TIER, Circ, Voi und Lime aus blinder Zerstörungswut in den nächstgelegenen Fluss. Ich habe schon lange aufgegeben alles zu verstehen.

Sony A7 R3 – Sony 55mm 1,8 | @caroline_hartig

Soll der Rest da draußen sich ruhig auch in Zukunft Schlüssler Salze auf ihre Süßkartoffelpommes streuen, in SUV-Kolonnen ihre Kinder zur Walddorfschule fahren, auf einem Choaching-Seminar in Ekstase verfallen oder im Social-Media-Bereich Sexismus als Kunst verkaufen.
Ich reise lieber so weit wie meine Vorstellungskraft reicht und wundere mich, warum man immer noch seine eigenen Beiträge liken kann.


Herbstmärchen

Der letzte Blogpost ist fast schon wieder so lange her wie der Erdüberlastungstag. Doch wer nun denkt, ich wäre beim Aufnahmeversuch eines Selfies (wohlgemerkt nicht Slofie) meinem Geschlecht entsprechend in das Sommerloch gefallen, um nun wie ein Phönix aus der Asche mit einer eigenen Masterclass wieder auf der digitalen Bildfläche zu erscheinen, der irrt. Ich habe in den letzten zwei Monaten auch kein Haus in Schweden gekauft, um dort im „besoffen bei Facebook“-Stil mit kruden und gefährlichen Thesen um mich zu werfen.

Sony A7 R3 – Sony 50mm 1,4 | @maren_reith

Dabei könnte ich mich mit einem Anwesen über dem Polarkreis durchaus anfreunden – ob nun in Schweden, Norwegen oder Finnland sei erst einmal dahingestellt. Zur Refinanzierung baue ich dann auf meinem riesigen Grundstück einen Theme-Park aus ver­schie­den­far­bigen, großen und kleinen A-Frame-Hütten und schaffe so das skandinavische Pendant zum Hideout Bali, während ich als reicher Superhost in meiner Hängematte liege und die Sonne genieße.

Sony A7 R3 – Sony 50mm 1,4 | @isabellabubolaphoto

In meinem kleinen, nordischen Paradies muss ich mir dann hoffentlich auch nicht mehr anhören wie Pärchen aus Hamburg eine Kreuzfahrt in die Karibik (oder in einigen Jahren nach New York in einem Titanic-Nachbau) mit ihrem veganen Lebensstil rechtfertigen. Ohne Doppel-D (Digital Detox) werde ich den Eigenheiten dieser Welt aber auch fernab jeglicher Zivilisation nicht entfliehen können. Aber will ich das überhaupt? 

@maschall_arts@mademoments_ | @maren_reith 

Als vor nicht allzu langer Zeit ein Kandidat der Küchenschlacht nach seinem Beruf gefragt wurde und diesen mit „Feel Good Manager“ betitelte, war ich mir erst nicht sicher, ob man seine Profession nun im Rotlicht-Milieu oder in der Welt der Scheinanglizismen einordnen sollte. Ohne Internet würde ich weiterhin über diese Frage rätseln – eine wahrlich schreckliche Vorstellung.

Sony A7 R3 – Sony 55 mm 1,8 | @maren_reith

Auch hätte ich ohne den Anschluss an die digitale Welt die Sommermonate nicht mit so vielen großartigen  Menschen in Norwegen oder anschließend im brandenburgischen Niemandsland verbringen können (#antlesssummer) – neben der Arbeit im Krankenhaus der eigentliche Grund meiner Blogabstinenz. Denn viele vergessen beim ganzen nach rechts und links wischen und der großen Menge belangloser Serien, dass man nirgends so einfach Gleichgesinnte findet, mit denen jeder noch so kleine Ausflug zu einem Abenteuer werden kann. Und man mag es kaum glauben, aber hier draußen, ohne Netzempfang, sehen die Wolken wirklich jeden Tag anders aus.

Sony A7 R3 – Sony 55mm 1,8 | @bekeaful

Man muss sich also keine Sorgen machen, dass ich in naher oder ferner Zukunft meine digitalen Zelte abbaue. Bevor ich einen solchen radikalen Schritt wage, müsste ich sowieso erst einmal alle Webcams in meiner Wohnung mit Panzertape abkleben, mich von meiner Spotify-Herbstlieder-Liste verabschieden und wieder lernen in Geschäften einzukaufen. Für letzteres hätte ich gerne die Zeit, aber die nächste Reise steht schon vor der Tür, sodass der hoffentlich bald besser bezahlte DHL-Bote diesen Job übernehmen muss.

Sony A7 R3 – Sony 55mm 1,8 | @isabellabubolaphoto

Aus der herbstlichen Toskana geht es dann zurück in das bald winterliche Hamburg. Die Chancen auf Schnee stehen dieses Jahr übrigens gar nicht schlecht, auch wenn das besagte weiße Pulver wohl eher bei der Weihnachtsfeier der Hamburger Polizei von der Decke in die Nase des Chief Happiness Officers rieseln dürfte, und nicht auf dem kalten Asphalt landen wird.


Wolkig bis heiter

Als ich vor drei Wochen meine Analogfilme zum Drogeriemarkt brachte und mit dem Hinweis versah „Nur Entwicklung. Negative bitte nicht schneiden.“, hätte ich mir eigentlich denken können, dass die lange, beschwerliche Reise zum CEWE-Labor erfolglos bleiben würde. Aber wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bevor sie zu Grabe getragen wird, starte ich lieber einen zweiten Versuch bei einem (günstigen) Online-Anbieter. Falls ihr diesbezüglich eine Seite empfehlen könnt, dann schreibt mir den Link gerne in die Kommentare!

Sony A7 R3 – Sony 55mm 1,8 | @mademoments_

Vielleicht gehen sie auf dem Weg aber auch verloren wie meine Motivation einen Marathon zu laufen oder stundenlang mit dem E-Trekking- oder E-Rennrad durch die Gegend zu fahren – womit ich in meiner Altersgruppe wahrscheinlich wieder einmal eine Ausnahme darstellen dürfte. Stattdessen trinke ich lieber im strömenden Regen einen Mango-Minze-Limetten-Smoothie und hoffe, dass die Wolken nicht auf die Idee kommen demnächst in den Norden aufzubrechen, um mir dort Gesellschaft zu leisten.

Wer nun denkt, ich würde Norwegen als Begpacker unsicher machen, den muss ich leider enttäuschen. Obwohl mein Kontostand aufgrund des Prime Days dringend auf finanzielle Hilfe angewiesen wäre, bezahle ich lieber selbst für meinen Urlaub. Leider habe ich auch bei keiner der vielen Online-Umfragen einen der versprochenen Amazon-Gutscheine gewonnen, die jedes Mal unter den Teilnehmenden verlost werden. Wahrscheinlich sind diese jedoch genauso Fake wie die meisten Likes oder Bilder im Social-Media-Bereich.

Sony A7 R3 – Sony 55mm 1,8 | @annekraemer

Immerhin hat Instagram nun in mehreren Ländern damit begonnen, die Gefällt mir-Angaben der anderen Accounts auszublenden. Ganz im Sinne von Newton und dessen Wechselwirkungsprinzip folgt aber bekanntlich auf jede Aktion eine Reaktion. So durchkämmen bereits die ersten Bots unsere Stories, welche mittlerweile zur Hälfte aus Festivaleindrücken bestehen – immer in der Hoffnung für ausreichend Backtraffic zu sorgen.
Als weitere Konsequenz dürfte die Währung „Followerzahl“ deutlich im Kurs steigen und noch mehr Leute dazu verleiten in diese zu investieren. Kein Wunder also, dass im Anschluss verzweifelt nach jedem noch so kleinen oder großen Einsparpotential gesucht wird.

Sony A7 R3 – Sony 55mm 1,8 und Sony 100-400mm GM | @sidneyfrenz

Es ist und bleibt erstaunlich, was wir alles für ein bisschen (digitale) Anerkennung tun. Hierfür verwandelt man ein Konzentrationslager zur Selfie-Bühne (#yolocaust), paddelt in Sibirien durch einen toxischen See oder versucht sich an der nächsten viralen Spendenchallenge.

Sony A7 R3 – Petzval 58mm 1,9 | @alexinframe

Mit etwas Glück übersteht man diese Aktionen sowie die kommenden E-Roller-Unfälle alle unverletzt und ähnelt eines fernen Tages jenem FaceApp-Bild, welches nun in einer russischen Cloud auf uns wartet. Wenn es soweit ist und staycation die einzige noch mögliche Urlaubsform ist, während in der Welt außerhalb des Pflegeheims Kriege um Wasser geführt werden und es immer wärmer wird, erinnern wir uns sicherlich gerne zurück an diese sonderbar schöne Zeit.


10 Fragen an Carolina Klusacek

Bevor ich hier in Zukunft mein Blog-Portfolio zielgruppenorientiert um Tutorials zu interessanten fotografischen Themen erweitere, begrüße ich heute erst einmal einen weißgrauen Shepsky auf meiner Interview-Couch. Seine Besitzerin sollte auch jeden Moment bei uns sein. Wer nun hofft, sich jetzt von einem Podcast berieseln lassen zu können, wird gleich ähnlich enttäuscht sein wie die Hamburger Abiturienten über ihre diesjährige Mathematik-Prüfung. Vielleicht hätte anstelle des Bildungsministeriums lieber Shirin David die Fragen erstellen sollen (“Dein Zehntausend-Euro-Scheck reicht für eine Nacht. Wie viel Geld müsstest du ihm Lotto gewinnen, um ein ganzes Jahr mit der Mother-Ho zu verbringen?”).
Dabei führte nicht nur das vermeintlich schwierige Mathematik-Abitur in den letzten Wochen zu vielen Tränen, sondern auch die Bekanntgabe der Lochis, ihren Youtube-Kanal in Kürze einstellen zu wollen. Mal schauen, wie viele Unterschriften am Ende unter der Petition für ihren Rücktritt vom Rücktritt stehen werden.
Nun habe ich mit diesem Epilog erneut die Aufnahmefähigkeit des Durchschnittslesers von 280 Twitter-Zeichen überschritten und diesen Beitrag quasi im Vorbeigehen zum Scheitern verurteilt. Dabei hat die wunderbare Carolina gerade den Raum betreten…


Canon 5D Mark III – Sigma 35 mm 1,4  | @foxografie

Carmen und Ingo wollen noch einmal heiraten. Dieses Mal soll aber alles ganz anders sein. Kein kitschiger Sonnenuntergang, keine Eistorte, keine Blumenmädchen und keine scheppernden Blechdosen an teuren Oldtimern. Nein, es soll die schrecklichste Hochzeit werden, die die Welt je gesehen hat.
Als Wedding-Planer und Fotografin haben sie dich engagiert. Du darfst jede Menge unpassende Gäste aus der Fotoszene einladen, die worst-case-location festlegen, den Monat aussuchen, die Outfits, und auch alles andere bestimmen. Was würde uns auf dieser Hochzeit erwarten?

Nachdem Carmen und Ingo einen Schlüsselmoment mit einer Taube hatten (auf den an dieser Stelle nicht weiter eingegangen wird), haben beide dieses anmutige Tier zu ihrem Talisman und zum Motto für ihre zweite Hochzeit im August auserkoren. Tauben und rote Herzluftballons – so der romantische Leitfaden für diesen Tag. In der Gaststätte, in der auch schon Ingos Großtante dritten Grades ihre Knoblauchhochzeit (gibt es tatsächlich) gefeiert hatten, soll die große Party steigen. Die braunen Fliesen, ausgestopften Tiere an den Wänden und die über lange Jahre gesammelten Bierkrüge sorgen für ein warmes Ambiente. Blumen wollen die beiden bewusst weglassen, sie haben sich daran einfach satt gesehen. Stattdessen stehen kleine Plastiktauben auf den Tischen und an jedem Stuhl hängt ein wunderschöner roter Herzluftballon.
Ingos Anzug ist nicht mehr ganz neu (er kaufte ihn sich anlässlich besagter Knoblauchhochzeit), seitdem hat er zwar etwas zugenommen und er will nicht mehr so ganz passen, aber an so einer Feier tanzt man ja ohnehin viel. Carmen hat sich bei schon lange bei Pinterest abgemeldet und holt ihre Inspiration aus “zwischen Tränen und Tüll”. Und so war auch das Motto für das Kleid.
Der Tag hält wundervolle Überraschungen für Paar und Gäste bereit: Neben einer Tauben-Flugshow (bei der eine Taube der anderen einen Liebesbrief überreichen wird) ist auch sonst einiges geboten – von Luftballons steigen lassen, einem Hochzeitsanimateur (mit allerlei Spielen im Programm) und einer emotionalen 1,5-stündigen Brautvaterrede bleiben keine Wünsche offen. Handys sind an diesem Tag nicht in der Tasche zu lassen, sondern im Gegenteil: Es soll eine richtige Social Media Party mit vielen Verlinkungen werden und daher wird jeder der Gäste explizit dazu aufgefordert, die eigene Kreativität mal so richtig auszuleben und tolle Momente zu sammeln.
Die Gästeliste wird allerdings leider bis zum Schluss geheim gehalten.

Canon 5D Mark III – Sigma 35 mm 1,4  | @foxografie

Als Canon Deutschland am Ende die Bilder und das Medienecho sieht, verbieten Sie dir in Zukunft ihr Equipment zu verwenden. Per richterlicher Anordnung  erhältst du glücklicherweise eine Ausgleichszahlung (Neuwert deiner jetzigen Ausrüstung) und weitere 5000 Euro. Welche Kamera und Objektive ständen auf deiner Einkaufsliste?

Als ziemliches Gewohnheitstier wäre das ein harter Schlag. Dürften meine Finger Canon nicht mehr berühren, dann würde ich auf Nikon umsteigen. Die 5000 Euro on top wären leider noch nicht mal annähernd ausreichend für eine Hasselblad. Sehr geliebte Objektive: Das 35er f1.4, ein altes Helios 58 mm f2.0 und ein 70-200 mm f2.8.

Die mediale Berichterstattung über „Deutschlands schlimmste Hochzeitsfotografin“ trägt unerwartete Früchte. 2 Wochen später hast du 500.000 neue Follower auf Instagram und mindestens 50.000 aktive Blogleser. Was würde sich für dich ändern (positiv wie negativ) und was würdest du von nun an anders machen?

Rein gar nichts wäre wohl die idealistische Antwort. Doch letztendlich hoffe ich, dass sich an meinen Idealen und den Dingen, die mir am Herzen liegen, nichts ändern wird. Falls doch, dann hoffe ich auf die besten Freunde, die einem mitteilen, dass man gerade ein Arsch wird.

Ein Hamburger Fotoladen gewährt dir für ein Autogramm noch einmal einen größeren Rabatt. Du wirst aber gebeten, deine neue Kamera und die Objektive persönlich vor Ort abzuholen. Als du den Fotoladen betrittst, wird dir plötzlich schwarz vor Augen und du wachst wenig später im UKE in Eppendorf wieder auf. Nach ausführlichen Tests wird bei dir eine lebensbedrohliche Hochzeits- und Pärchenallergie festgestellt. Eine Therapiemöglichkeit gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht und dir wird dringend angeraten in Zukunft andere Dinge zu fotografieren oder die Kamera für immer beiseite zu legen. Wie verkraftest du diesen Schock und wohin führt dich in Zukunft dein Weg?

Ich würde entweder auf Landschafts- und Tierfotografie umsteigen oder, sollte die Allergie gegen die Kamera ungeahnte Ausmaße annehmen, Pferde ausbilden. (Einmal Pferdemädchen, immer Pferdemädchen. ) 

Canon 5D Mark III – Sigma 35 mm 1,4  | @foxografie

Vor der Bekanntgabe der Diagnose wollte der junge Assistenzarzt beim Anamnesegespräch von dir wissen, was das fehlende Puzzlestück für dich war, dass dich dazu bewogen hatte den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und was du im Nachhinein anders gemacht hättest. Dieses war…

Ich erspare jedem an dieser Stelle die lange Geschichte um die zweimal studieren, das Sitzen in Büros und das Gefühl sich immer am falschen Ort zu befinden. Kurz gesagt war es tatsächlich mein Blog, der mich ganz langsam und Stück für Stück in die Selbstständigkeit geführt hat. Nicht, dass ich damals überhaupt mit dem Gedanken gespielt hätte – aber mit dem Blog hatte ich etwas, über das ich ganz und gar allein verfügen und entscheiden konnte. Etwas, das von mir kam. Und das fühlte sich ziemlich gut an. (Da zahlt man doch auch gerne die nächsten 344 Jahre sein Bafög ab, für ein Studium, in dem man nicht arbeitet.)

Auf dem Weg zurück nach Hause hörst du im Julia & Gil-Podcast von einer neuen Social-Media-Plattform, die alles besser machen will. Welche Punkte wären hier für dich besonders wichtig?

Ich bin der Meinung, dass es überhaupt nicht so sehr die Plattformen, bzw. Kanäle das Problem sind, sondern viel mehr die Benutzer. Ein Messer an sich ja auch erst mal nicht gefährlich – es kommt auf die Hände an, die es halten. Wenn man sich ansieht, welche Accounts zum Beispiel auf Instagram oft riesige Reichweiten haben, dann ist es eben auch genau das, was verdammt viele Menschen sehen wollen. Die Bild-Zeitung ist ja auch nicht umsonst die auflagenstärkste “Zeitung” in Deutschland.

Canon 5D Mark III – Sigma 35 mm 1,4  | @foxografie

Als du endlich nachhause kommst, fällst du todmüde in dein Bett. Am Wochenende warten glücklicherweise keine Termine oder Verpflichtungen auf dich. Wie verbringst du die beiden nächsten Tage?

Ich bin sehr gern alleine und nehme mir diese Zeit auch regelmäßig. Am liebsten verbringe ich menschenfreie Zeit mit Lesen (ich habe immer mindestens 2,3 Bücher, die ich lese), höre Hörspiele (Kindheitserinnerungen) und gehe sehr viel raus zum Spazieren, Fotografieren oder auch, um einfach zum Nichtstun. Jetzt auch immer in Begleitung meines Hundes Sarú.

DJI Mavic Pro | @foxografie

Sonntagabend wirst du von Instagram angeschrieben und gebeten, an einem sogenannten Glücksritter-Experiment teilzunehmen. Zuerst sollst du drei kleine, unbekannte Accounts aussuchen, die in deinen Augen großartigen Content produzieren. Anschließend musst du drei weitere, dieses Mal jedoch bekannte und nicht rein personenbezogene Accounts benennen. Instagram wird nun die Followerzahlen dieser Accounts miteinander tauschen. Wie glaubst du wird dieses Experiment ausgehen und wen hättest du ausgesucht?

Tatsächlich würde ich vermuten, dass sich nicht so viel ändern würde: Der Account mit der höheren Followerzahl hätte einfach mehr Likes und mehr Reichweite – nur, dass es jetzt umgekehrt wäre. Schneeballeffekt und so. Man findet einen Account mit großer Abonnentenzahl und denkt oft im erstem Moment automatisch “oh, das muss ja gut sein”. Wir sind eben Schafe.
Spontan fallen mir bei kleineren Accounts ein: Elisabeth Mochner (auch ein sehr lieber Mensch), Frederik Buyckx und Vincent Bourilhon.
Größere: Ben Sasso, Brooke Shaden und Froydis Geithus.
Ok, doch auch personenbezogen, aber ich hoffe, es zählt dennoch.

Monate später packst du deine Koffer und ziehst nach Berlin. Wie es dazu kam, soll hier nicht erläutern werden. Wovor hast du Angst, was wirst du vermissen und worauf freust du dich ganz besonders?

Ich liebe Berlin und freue mich auf eine Stadt, die für mich immer ein wenig wie ein Zoobesuch ist: Sehen und staunen. Da ich dort einige liebe Freunde habe, gäbe es also genug zum Freuen. Und nicht so überteuerte (zumindest im Vergleich zu hier) Altbauwohnungen.
Da ich nicht so sehr orts-, sondern eher freundebezogen bin, würde ich vor allem meine besten Freunde und meine Familie vermissen.

Canon 5D Mark III – Sigma 35 mm 1,4  | @foxografie

Als du gerade den letzten Umzugskarton in die Altbauwohnung im 4. Stock in Berlin-Mitte getragen hast, klingelt das Telefon. Es ist der junge Hamburger Assistenzarzt. Als Teil einer Studie darfst du nächste Woche eine bezahlte Fernreise mit deiner Kamera antreten. Du verpflichtest dich einzig und allein dazu jeden Tag eine Avocado zu essen, was laut ersten Tests deine Beschwerden deutlich lindern könnte. Wohin führt dich deine Reise und welche Reiseroute wählst du aus?

Haha, was für ein fabelhaftes Angebot. Dann wäre mein Wunsch Norwegen bis hoch zum Kap. Natürlich mit unserem Wohnmobil – und auf dem Rückweg über Schweden von oben nach unten zurück. Die Nordlichter rufen mich und ich freue mich unglaublich auf den Tag, an dem ich sie mit eigenen Augen sehen darf.


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