Test: Leica Monochrom

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Ursprünglich veröffentlicht am 02. April 2015 auf kwerfeldein.de:

Ich weiß gar nicht mehr, was mich eigentlich dazu bewogen hat, die Leica Monochrom zu testen. Reizte mich der Gedanke, einmal in jene elitäre Welt einzutauchen, in der ein einzelnes Objektiv mehr kostet als meine gesamte Fotoausrüstung? Etwas nicht haben zu können, weckt schließlich Begehrlichkeiten.

War es die Kompaktheit dieser Vollformatkamera, die mich ansprach oder einfach nur der Wunsch, wieder einmal ins kalte Wasser geworfen zu werden? Was es auch gewesen sein mag, irgendwie landetete die Kamera am Ende in meinen Händen.

Nachdem ich alles ausgepackt und das Summicron-M 50mm f/2 aufgeschraubt hatte, fiel mein Blick auf die beiliegende Preisliste. Noch gäbe es die Möglichkeit, das Paket aus Wetzlar zu verscherbeln und sich von dem Geld eine Südseeinsel zu kaufen. Aber dann hätte ich ja wieder keine Leica. Und Sand mag ich eh nicht.

Nicht mehr lange und es würde dunkel werden, weshalb ich den Sandgedanken beiseite schob, das kleine Lederband durch die passenden Ösen fädelte und mich auf den Weg hinaus in den Schnee machte. Ich hatte keinen Testbericht gelesen, hatte noch nie eine Leica in der Hand und bereute es plötzlich, mich ausgerechnet in dieser Kälte mit der Bedienung auseinandersetzen zu müssen. Memo an mich: Kameras nur noch im Sommer testen.

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Da stand ich nun im Schnee und suchte verzweifelt den Slot für die Speicherkarte. Das kann doch nicht so schwierig sein, dachte ich mir. Ist es aber doch: Um an die Speicherkarte und den Akku zu gelangen, muss man zuerst umständlich den schweren Metallboden entfernen. Dieser hakt sich übrigens nicht sonderlich gut wieder ein, sodass die Kamera des Öfteren die Warnmeldung „Bottom cover removed“ anzeigte und ihren Dienst verweigerte.

Vielleicht ist das schwere Metallstück aber auch dafür gedacht, sich im Notfall gegen Kameradiebe zur Wehr setzen zu können. Überhaupt ist die gesamte Kamera viel klobiger und schwerer als ich sie mir vorgestellt hatte.


Das viele Metall macht sich übrigens auch bei kalten Temperaturen schmerzhaft bemerkbar – allerdings an den eigenen Händen und nicht am Hinterkopf von Dieben. In diesem Moment bereute ich meine getroffene Entscheidung und wünschte mich doch an einen Strand mit Palmen – am liebsten irgendwo auf Hawaii. Aber Wünsche gehen selten in Erfüllung und so musste ich mich für den Augenblick mit dem „ewigen Meer“ in Ostfriesland begnügen.

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Beim ersten Blick durch den Messsucher schlug mein Spielkindherz plötzlich schneller. Im Zentrum befindet sich ein helles, kleines Feld, das sich durch Drehen des Fokusrings mit dem umliegenden Bereich in Deckung bringen lässt (Mischbild-Entfernungsmesser). Gelingt dies, ist es Zeit, den Auslöser zu drücken. Auch wenn es ein bisschen Übung erfordert, macht das Ganze wirklich Spaß.

Man wird gezwungen, sich mehr Zeit zu nehmen. Für Sportfotografen wäre das wahrscheinlich schon jetzt ein KO-Argument. In meinem Fall bin ich jedoch dankbar für jedes Hindernis, das sich mir in den Weg stellt. Ich fühlte die gleiche Entschleunigung, die auch die analoge Fotografie mit sich bringen kann. Vielleicht ist das Problem heutiger Kameras einfach, dass sie uns zu viele Möglichkeiten bieten und uns vom Wesentlichen ablenken.

Zeit für alle Apple-Jünger, nach einer Kamera aus Cupertino zu schreien. Doch bevor Herr Cook ins Kamerageschäft einsteigen kann, muss sein Team wahrscheinlich erst einmal das neue Auto und den seit Ewigkeiten geplanten Fernseher auf den Markt bringen. Die Idee eines App-Stores auf meiner Kamera behagt mir zudem nicht sonderlich.

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Zurück zum Apfel der Kamerahersteller und der Leica Monochrome: Der Mischbild-Entfernungsmesser hat auch einige Nachteile. Hat man keine klaren Strukturen als Leitlinie zur Verfügung, vermisst man doch die Messfelder der eigenen Spiegelreflexkamera. Man tendiert dazu, die zu fokussierenden Objekte sehr zentral anzuordnen, um das Bild überhaupt scharf zu stellen.

Der Messsucher zeigt übrigens weit mehr als nur das eigentliche Bild an, woran ich mich auch erst gewöhnen musste. Bilder im Hochformat aufzunehmen ist möglich, jedoch liegt die Kamera dann sehr ungünstig in der Hand.


Die Schärfe der Bilder ist wirklich beeindruckend. Bedenkt man, dass man durch die manuelle Fokussierung für diese mitverantwortlich ist, gewinnen die entstandenen Fotos noch einmal an Wert. Beim Einsatz von direktem Sonnenlicht auf Haut liefert die Kamera sensationelle Ergebnisse, die ich bis dato nur von der Analogfotografie kannte. Irgendwann fing ich auch an, in schwarzweiß zu denken und meine Motive gezielter auszuwählen.

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Der Dynamikumfang der Leica Monochrom ist in Ordnung. Nicht mehr und nicht weniger. Von meiner Nikon D800* bin ich aber Besseres gewohnt. Der Anschaltknopf dagegen ist viel zu leichtgängig und mit den Funktionen Single Shooting, Continous Shooting und Timer gekoppelt.

Nicht selten ist es mir passiert, dass ich nach dem Anschalten der Kamera auf den Auslöser drückte und der Selbstauslöser aktiviert war. Auch das 2,5″-Display ist in diesem Preissegment mit seiner für die heutige Zeit geringen Auflösung eine Zumutung.


Das Objektiv hat mich übrigens sehr beeindruckt. Die Größe, die Schärfe und das Bokeh sind wirklich eine Klasse für sich. Falls ich irgendwann einen 7000-Euro-Schein auf der Straße finden sollte, würde ich es mir sofort kaufen. Die Naheinstellgrenze des Objektivs ist mir mit 70 cm allerdings deutlich zu lang. Wer gern etwas vor die Linse hält, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Ohne Autofokus lässt sich die Kamera einhändig sowieso kaum bedienen.

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Die hier gezeigten Bilder bearbeitete ich mit Lightroom. Da man keine RGB-Kanäle zur Verfügung hat, bleiben einem bei der Nachbearbeitung nicht sonderlich viele Möglichkeiten. Anfangs war dies etwas frustrierend, aber hat man sich einmal daran gewöhnt, freut man sich über die gewonnene Zeit. Die Leica Monochrom hat auf jeden Fall viel Potential und ich bin schon jetzt auf den Nachfolger gespannt, der in Kürze erscheinen soll. Dass dieser billiger sein wird, darf bezweifelt werden… dass ich bis dahin reicher bin, auch.

Fazit: Wer mehr Geld auf dem Konto hat als Marco Reus Follower auf Facebook, scharfe Schwarzweiß-Bilder liebt, gern mit direktem Sonnenlicht fotografiert und auf der Suche nach etwas Besonderem ist, wird mit der Leica Monochrom sehr glücklich werden.


Für den Rest sei gesagt, dass die Welt in Farbe auch ganz schön sein kann, insbesondere ein Sandstrand mit azurblauem Wasser. Wer Sand in der Badehose gar nicht mag, kann auch versuchen, alte Leica-Objektive an eine Sony A7R zu adaptieren, bis man als Youtube-Star endlich durchstartet und Geld keine Rolle mehr spielt.





4 Kommentare zu “Test: Leica Monochrom”

  1. Dirk Müller sagt:

    Hm, was soll man dazu schreiben. Die M ist ein Klassiker, seit rund 60 Jahren, da hat man etwas “Echtes” in der Hand, zu den mit der Monochrom auch noch etwas Einzigartiges. (OK, seit August 2015 gibts die Nachfolgerin).
    Und woran mäkelt der Autor rum, dass er den Bodendeckel öffnen muss um die Speicherkarte bzw. den Akku zu Wechseln ? Und dann der Kommentar mit dem 7000.- € Schein und das Objektiv. Sorry, ein Summicron 50/f:2,0 kostet weit weniger, selbst das Summilux liegt neu bei rund 4500.- €
    Und Ja, die M ist nicht einhändig zu bedienen und das ist auch gut so. Hiermit soll man Fotografieren und nicht “knipsen”, das ist handwerkliche Kunst, sowas wie malen mit Licht.
    Bitte bleiben Sie bei Ihrer Nikon und möglichst weit weg von Wetzlar.

    mit freundlichen Grüßen
    D. Müller

    • Jan Kobel sagt:

      Ziemlich arroganter Kommentar, Herr Müller. Was soll man dazu sagen? Dass man diese Leica-Fetischisten kennt, die tatsächlich immer noch glauben, eine Leica oder Hasselblad sei besser als eine Nikon oder Canon? Ich habe sie alle durchprobiert. Resultat: manchmal anders, nie besser. Alleine schon die Bilder, die Jonas Haffner mit seinen Kameras macht, sollten sie vor Scham im Boden versinken lassen. Anstatt sich peinlich mit Ihrer Nähe zu “Wetzlar” zu rühmen.

    • admin sagt:

      Das Leica Apo-Summicron-M 2/50 asph kostet neu bei Fotokoch 6950 Euro. Als Leica-Liebhaber sollten sie dieses Objektiv eigentlich kennen :).
      Hätten Sie den Artikel übrigens aufmerksam gelesen, wüssten sie, dass mir die Kamera wirklich sehr gut gefallen hat. Platz für Kritik sollte jedoch immer vorhanden sein.

  2. Stefan Wittmann sagt:

    Ja da bin ich doch ganz bei der Meinung von Jan Kobel. Der Kommentar von Herrn Meier kommt schon sehr arrogant rüber. Gerade den letzten Satz hätte der Autor sich gerne sparen dürfen.
    Es wird auch nicht “gemäkelt” in dem Bericht von Jonas Hafner, sondern doch nur die Erfahrung locker und anschaulich beschrieben.
    Ich schätze Jonas Hafner sehr als Fotograf und muss sagen ich liebe die Art seiner Portraits.
    Bitte weiter so … und von solch Antworten wie denen von Herrn Müller nicht unterkriegen lassen ;-)

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