Es ist 2018 und wie jedes Jahr nach Silvester sitze ich wieder vor einer Liste guter Vorsätze. Ich weiß bereits jetzt, dass mir die Erstbesteigung des Machapuchare ohne Sauerstoff nicht gelingen wird. Völlig utopisch sind auch die Pläne als Boudoir-Katzen-Fotograf Karriere zu machen. Der hierfür ausschlaggebende Grund? Bis vor kurzem wusste ich nicht einmal, was mit Boudoir überhaupt gemeint ist. Vielleicht gelingt es mir dafür aber wieder mehr Zeit in diesen Blog zu investieren, auch wenn man wahrscheinlich lieber etwas Sinnvolleres tun sollte, wie der Stilpirat neulich anmerkte.
Da Erfolg in unserer Gesellschaft zumeist daran gemessen wird, wieviel Geld bei der Sache am Ende rausspringt, tummeln sich inzwischen auch die meisten Amateurfotografen dort, wo es auf Bäumen zu wachsen scheint. Längst hat man andere Fotografen als die zahlungskräftigste Kundengruppe ausgemacht und versucht diese nun in den sozialen Medien über den Tisch zu ziehen wie RTL die Kandidaten bei Schwiegertochter gesucht. Um sich von ihnen abzuheben, feiert man sich ständig unentwegt selbst – egal ob auf Instagram oder YouTube. So wird die Illusion aufrecht erhalten, dass kein Weg an einem vorbei führt. Ein interessanter Nebeneffekt: Die mittlerweile sehr unübersichtliche Fotowelt wird hierdurch wieder etwas überschaubarer, wenn sich alle auf einen Benjamin beschränken, und andere Elefanten außen vor lassen.


Der Fotozoo suggeriert einem jedenfalls, dass man selbst ein großes Stuck vom Kuchen abhaben könnte. Alles was man hierfür benötigt ist dies oder jenes Produkt und genau hier kommen auch Presets ins Spiel. Wer mich kennt weiß, dass ich diesem Thema eher kritisch gegenüber stehe. Noch bevor die erste eigene Kamera unter dem Weihnachtsbaum hervorgeholt und vom Geschenkpapier befreit wurde, bezahlen die meisten schon für gesponserte Beitrage auf Facebook, in denen sie ihre schnell zusammengeklickten Presets anpreisen. Das große Geschäft machen aber vor allem die bekannten Accounts, die so mit minimalem Aufwand einen hohen Profit erzielen können. Den meisten Amateurfotografen ist es nämlich inzwischen relativ egal geworden wie ihre Bilder am Ende aussehen. Hauptsache es geht dadurch steil nach oben. Und wer kann dieses Versprechen besser verkaufen als jene, die schon ganz oben angekommen sind?


Doch nicht alle Presets färben die Haut orange oder legen ausschließlich eine dunkle Vignette um das Bild. Es gibt auch Angebote auf dem Markt, die durchaus eine Daseinsberechtigung besitzen und eine gute Grundlage für das ein oder andere Foto darstellen können. Zu den bekannteren Vertretern gehören sicherlich die VSCO Film Presets, die versuchen einen analogen Look zu emulieren und die auch ich gerne benutze.
Aber heute soll es nicht um die Global Player gehen, sondern um den Bio-Preset-Hof um die Ecke. Vor einer Weile bin ich nämlich auf einen Kwerfeldein-Artikel von Andre Dühme gestolpert. Also habe ich ihn kurzerhand angeschrieben und nachgefragt, ob ich nicht auch einen Bericht über seine „(The) Classic Presets“ schreiben dürfte. Das aus zwei Emulationen bestehende Gsamtpaket versucht die beiden Filme Kodachrome (CLASSIC K14) und Cinestill (CLASSIC ECN-2) noch authentischer abzubilden. 

CLASSIC ECN-2 (29,99 Euro)

Cinestill

CLASSIC K14 (19,99 Euro)

Kodachrome

Nach der Installation kann man direkt loslegen. Durch die Unterteilung der einzelnen Arbeitsschritte erhält man etwas mehr Spielraum was den Weißabgleich, etwaige Farbkorrekturen, die Teiltonung oder das Bildrauschen angeht. Die meisten Kameramodelle werden übrigens mithilfe speziell angefertigter Profile unterstützt, um so ein noch besseres Ergebnis zu erhalten. Müsste ich mich zwischen einer der beiden Optionen entscheiden, dann würde meine Wahl ganz klar auf das CLASSIC K14 (19,99 Euro) fallen, welches in meinen Augen vielfältiger einsetzbar ist als das CLASSIC ECN-2 (29,99 Euro), mit dem ich bis dato noch nicht richtig warm geworden bin. Wer jedoch die Farben des Cinestill-Films bevorzugt, kann mit letzterem ebenfalls sehr schöne Ergebnisse erzielen. Entscheidet man sich für beide Pakete bezahlt man insgesamt 39,99 Euro.


Im Gegensatz zu vielen anderen Angeboten auf dem Markt, handelt es sich bei diesen Paketen um weit mehr als eine lieblos zusammengeklickte Spielerei, wie sie einem derzeit von jedem noch so kleinen Influencer angeboten werden. Wer die analoge Fotografie zu schätzen weiß, kann mit dem Kauf nichts falschen machen. Alle anderen, die sich vor allem höhere Like-Zahlen dadurch versprechen, sollten ihr Geld stattdessen lieber in Dinge wie Botox oder Silikon investieren.

Natürlich werden auch weiterhin unzählige Fotografen und Fotografinnen versuchen ihre Presets an den Mann und die Frau zu bringen. Bei der schier unendlichen Anzahl an Angeboten ist es wichtig sich vor Augen zu führen, dass kein Preset immer und überall funktionieren kann. Um manuelle Anpassungen kommt man selten herum und manchmal muss man sich trotz hoher Investitionskosten eingestehen, dass das ausgesuchte Preset „Mood“ überhaupt keine Stimmung erzeugt, sondern einfach nur seltsam aussieht. Für wen Lightroom Neuland ist wie die Weltpolitik für Donald Trump, profitiert mit Sicherheit ungemein von dieser „Starthilfe“. Wer jedoch seinen eigenen Stil finden will, wird früher oder später anfangen die Regler selbst in die Hand zu nehmen.


Transparenz: Das Produkt wurde mir zu Testzwecken zur Verfügung gestellt.